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Professionelle Mundhygiene
Moderne Vorsorge = Prophylaxe vor Belagserkrankungen erfordert viel Einsatz seitens des Patienten, der seine Zähne fleissig und richtig putzen muss, und des Zahnarztes, der ein vollständiges und konsequentes Parodontalprophylaxeprogramm anbieten muss. Nur in nachfolgend beschriebener oder ähnlicher Form und Umfang kann eine moderne Parodontalbehandlung als solche bezeichnet werden. Sie ist mehrphasig:
Initialphase - 1. Abschnitt:
- Informationsgespräch mit Ihrer Prophylaxehelferin über den Behandlungsablauf. Information, Instruktion, Motivation sind Voraussetzung einer erfolgreichen Therapie. Deshalb sprechen Sie bitte ganz offen über Ihre Probleme, aber auch Ihre kleinen „Laster“, wie Rauchen, viel Kaffee, Tee, Naschen, falsche Ernährung und mangelhaftes Zähneputzen.
- Panoramoröntgen oder Kleinbildstatus in 14 Bildern
- Fotodokumentation des oralen Zustands vor der Behandlung
- Abstrich aus belasteten Taschen zur Bestimmung der mibkrobiellen Flora (Parodontitis-assoziierte Keime)
- Speicheltest (zeigt Säure- und Zuckerverhältnisse)
- Klinischer Status & Parodontalindices: PBI-Papillenblutungsindex, PDI- Periodontal-Disease-Index und ZB-Zahnbeweglichkeit werden gemessen und in eine Tabelle eingetragen.
- Ultraschallbehandlung ( entfernt grobe Beläge , wie Zahnstein od. Raucherbelag von der Zahnoberfläche)
- Airflow-Salzstreugerät ( entfernt Verfärbungen an den Zähnen)
- Kürettage: spezielle Handinstrumente (Küretten) werden in die Zahnfleischtasche eingeführt und Wurzelfläche um Wurzelfläche von den Konkrementen gereinigt und geglättet.
- Polieren & lokale Medikamente: die Zähne werden mit fluoridhältiger Paste geglättet.
- Spülung mit 3%igem Wasserstoffsuperoxid zur Desinfektion.
- Zahnfleischtaschen werden mit lokal antibiotischen Salben versorgt.
- Mundhygiene-Instruktion und Einführung in den Gebrauch des Mundhygiene-Sets. Die Prophylaxehelferin zeigt Ihnen welche Zahnbürste, Putztechnik, Paste, Spülmittel, weitere Hilfsmittel wie Zahnseide, Zahnzwischenraumbürsten, medizinische Kaugummis optimal eingesetzt werden. Auch über elektr. Zahnbürsten z.B. Interplak oder Sonik-Ultraschallbürsten und Munddusche werden Sie gerne beraten.
- Ernährungsgespräch.
Initialphase - 2. Abschnitt:
- Anfärben der Zähne (Putzkontrolle)- wiederum Fotodokumentation.
- Überprüfung der Putzleistung bzw. Putzroutinen des Patienten/der Patientin
- Schulung effektiver Putzroutinen, Schulung der Plaque-Selbstkontrolle.
- Reinigung der Zähne mit Airflowgerät.
- Eventuell selektive lokale Antibiotika-Gabe (entsprechend dem in Phase1 erstellten Antibiogramm kann man nun gezielt gegen Ihre Bakterien Medikamente einsetzen)
- Kürettage (Konkrement-Entfernung)
- Entfernen iatrogener Reize, Elimination von Schlupfwinkeln (Polieren und Glätten alter Füllungen, Zahnoberfläche und Zwischenräume müssen glatt sein, damit Sie optimal ihre Zähne reinigen können.
- Polieren mit fluoridhaltiger Polierpaste
- Spülung mit 3%igem Wasserstoffsuperoxid
- Zahnfleischtaschen werden mit geeigneten antibiotischen Salben versorgt (in schweren Fällen auch systemische Gabe von Antibiotika)
Initialphase - 3. Abschnitt:
- Patientengespräch über den bereits merkbaren Heilungsverlauf (Zahnfleisch blutet fast oder gar nicht mehr, lästiger Mundgeruch ist weg, etc.)
- Kürettage.
- Polieren und Fluoridieren mit Paste oder Lack.
- Neuerliche lokal-medikamentöse Taschenbehandlung.
- Fotografische Enddokumentation.
- Kontrolle über den Verlauf der Initialphasen.
- Intervalle der Recallsitzungen werden bestimmt.
- Definitive Diagnose wird Ihnen mitgeteilt.
- Planung für weitere Versorgung ist nun möglich.
Am Ende dieses Behandlungsblocks bekommen die Patienten einen Mundhygienepass mit ihren Fotos und Status. Behandlungsdauer: Je nach Schwere der Erkrankung ( Gingivitis, Parodontitis, Parodontose) sind für die insgesamte Durchführung dieses Programms mehrere Einstundensitzungen notwendig, meist mindestens drei, öfters auch mehr.
Recallphase - Erhaltung des plaquefreien Zustands
Wenn der Zustand des Zahnfleischs stabilisiert werden konnte, sind Kurzversionen des Initialprogramms mit regelmäßiger Reinigung als Vorbeugung vor weiterem Parodontose-Befall sinnvoll und nützlich (routinemäßig 2-4 X pro Jahr). Auf jeden Fall wird nach den ersten 3 einstündigen Sitzungen (die ein Minimum darstellen), festgesetzt, ob eine zweite Behandlungssequenz erforderlich ist bzw. in welchen Abständen eine Erhaltungsreinigung anzusetzen ist. Der Patient erscheint dazu von selbst nach Ablauf dieser Zeit und plant das in seinen Jahresablauf ein wie den Urlaub oder die Kur (oder den Kontrollgang zum Zahnarzt !). Gute Ordinationen erinnern ( = recall) ihre Patienten aber auch an die Fälligkeit solcher Recallsitzungen.
Zu Hause sollte eine konsequente Zahnpflege betrieben werden (siehe <tipps und Hinweise>) Die konsequente Mitarbeit des Patienten ist unabdingbare Voraussetzung für erfolgreiche Zahnfleischbehandlung!
Sinn und Nutzen der professionellen Mundhygiene
Sie ersparen sich durch diese konsequente Vorsorge vor plaquebedingten Schäden der Zähne und des Zahnhalteapparats mit Sicherheit viele unangenehmere und teurere Zahnarztbesuche in der Zukunft. Bitte seien Sie sich bewußt, daß die Parodontalbehandlung eine sehr sinnvolle Maßnahme ist: sie ist in der Tat nicht nur Vorsorge, sondern auch Voraussetzung für das Gelingen der meisten anderen zahnärztlichen Maßnahmen.

